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Unterstützung bei Depressionen und Suizidalität – Wie Angehörige helfen können




Ein unsichtbarer Kampf

Wenn ein geliebter Mensch an Depressionen leidet, fühlt es sich oft an, als würde man im Nebel stehen. Die Person, die man liebt, scheint hinter einem undurchdringlichen Schleier zu verschwinden, während man selbst nicht weiß, wie man sie erreichen oder wie man helfen kann. Besonders herausfordernd wird es, wenn Suizidgedanken ins Spiel kommen. Als Angehöriger oder Freund ist man mit einer Flut von Gefühlen konfrontiert: Hilflosigkeit, Angst, Schuld und nicht selten auch Wut. Doch wie kann man wirklich unterstützen?


Verstehen, was Depression bedeutet

Depression ist keine Schwäche, keine schlechte Phase und kein Zustand, den man einfach „überwinden“ kann. Es ist eine ernsthafte Erkrankung, die Gedanken, Gefühle und das Verhalten beeinflusst. Das erste, was Angehörige tun können, ist, sich über Depressionen zu informieren. Verstehen Sie, dass Ihre Liebsten nicht faul, unmotiviert oder egoistisch sind. Depressionen können die Wahrnehmung verzerren und das Gefühl erzeugen, dass das Leben keinen Wert hat.

Wichtig: Vermeide Aussagen wie „Reiß dich zusammen“ oder „Denk positiv“. Sie können mehr Schaden anrichten als helfen.


Zuhören, ohne zu urteilen

Depressionen isolieren. Menschen, die darunter leiden, fühlen sich oft unverstanden oder allein. Zeige, dass du da sind – nicht, um Lösungen zu präsentieren, sondern um zuzuhören. Sätze wie „Ich bin für dich da“ oder „Erzähl mir, wie du dich fühlst“ öffnen die Tür für Gespräche. Manchmal reicht es schon, die Stille auszuhalten und dem anderen Raum zu geben.


Was Du sagen kannst:

  • „Ich sehe, dass es dir schwerfällt. Ich bin hier, um zuzuhören.“

  • „Du bist mir wichtig. Egal, was passiert, ich bleibe an deiner Seite.“

  • „Du musst das nicht alleine durchstehen.“

Was Du vermeiden solltest:

  • „Anderen geht es auch schlecht. Warum machst du es dir so schwer?“

  • „Du hast doch so viel, wofür du dankbar sein kannst.“

  • „Das ist doch nur eine Phase.“

Auf Warnsignale achten

Wenn jemand mit Depressionen auch Suizidgedanken äußert, ist das ein Alarmsignal, das nicht ignoriert werden darf. Manchmal sprechen Betroffene indirekt darüber, indem sie Dinge sagen wie: „Ohne mich wäre es besser“ oder „Ich kann das nicht mehr ertragen“. Auch Verhaltensänderungen wie das Verschenken persönlicher Gegenstände oder der plötzliche Rückzug können Hinweise sein.

Was tun?

  • Spreche offen über Suizidgedanken: „Hast du darüber nachgedacht, dir etwas anzutun?“

  • Stelle sicher, dass die Person in einem sicheren Umfeld ist.

  • Suche professionelle Hilfe, z. B. durch einen Psychologen, eine psychiatrische Klinik oder Krisentelefone.

Wichtig:  Die Frage nach Suizidgedanken bringt niemanden auf Ideen, die er nicht schon hatte. Sie zeigt vielmehr, dass Du die Sorgen ernst nimmst.

Professionelle Hilfe suchen

Als Angehöriger kannst Du unterstützen, aber Du bist kein Ersatz für professionelle Hilfe. Ermutige Deine Liebsten, sich an einen Therapeuten oder Arzt zu wenden. Biete an, Termine zu vereinbaren oder sie dorthin zu begleiten. Manchmal brauchen Betroffene einen sanften Schubs, um den ersten Schritt zu machen.


Ressourcen:

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (kostenlos und anonym)

  • Kriseninterventionsstellen: In vielen Städten gibt es Einrichtungen, die auf akute Krisen spezialisiert sind.

  • Hausarzt: Der erste Ansprechpartner kann Überweisungen zu Fachleuten ausstellen.


Sich selbst nicht vergessen

Die Unterstützung eines Menschen mit Depressionen kann emotional und körperlich belastend sein. Es ist wichtig, auf sich selbst zu achten, um nicht auszubrennen. Suchen Sie selbst Unterstützung, z. B. in Selbsthilfegruppen oder bei einem Berater. Es ist keine Schwäche, Hilfe zu suchen – es ist ein Zeichen von Stärke.


Tipps zur Selbstfürsorge:

  • Setze klare Grenzen: Du kannst nicht rund um die Uhr verfügbar sein.

  • Spreche mit vertrauenswürdigen Freunden oder Therapeuten über deine Gefühle.

  • Nimm dir Auszeiten, um Energie zu tanken.


Hoffnung geben – aber realistisch

Menschen mit Depressionen brauchen Hoffnung, aber sie müssen echt und greifbar sein. Vermeide unrealistische Versprechen wie „Alles wird wieder gut“. Stattdessen kannst du sagen: „Es wird nicht immer so dunkel sein. Schritt für Schritt können wir daran arbeiten.“


Liebe und Unterstützung sind entscheidend

Depressionen und Suizidalität sind schreckliche Gegner, aber sie bedeuten nicht das Ende. Als Angehöriger kannst du nicht alles lösen, aber du kannst einen Unterschied machen. Deine Liebe, Geduld und Bereitschaft zuzuhören können der Anker sein, an dem sich dein geliebter Mensch festhält. Denke daran: Du bist nicht allein, und Hilfe ist verfügbar – für dich und für die Person, die du unterstützen möchtest. Gemeinsam können selbst die tiefsten Täler durchschritten werden, wenn dein geliebter Mensch das möchte.

 
 
 

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