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Rubrik: Hilfe nach Suizid / Das erste Weihnachten nach einem Suizid – Wenn Stille zur Bedrohung wird




Weihnachten hat etwas Grausames an sich.

Nicht, weil es das Fest der Liebe ist. Nicht, weil überall Lichter brennen und Menschen sich umarmen, als gäbe es nur Glück auf dieser Welt. Sondern weil es für die, die jemanden durch Suizid verloren haben, ein Spiegel ist. Ein Spiegel, der gnadenlos zeigt, was fehlt. Wer fehlt.

Und für die, die nach einem solchen Verlust allein sind, kann Weihnachten zur größten Herausforderung werden. Kein gedeckter Tisch. Keine Gespräche, die vom Schmerz ablenken. Kein Grund, morgens überhaupt aufzustehen.

Nur Stille.

Und Stille kann tödlich sein.


Warum Weihnachten nach einem Suizid so schwer ist

Die Trauer ist ohnehin schon da, jeden Tag. Aber an Weihnachten wird sie laut. Weil die Welt sich in Liebe und Zusammengehörigkeit hüllt und genau das fehlt. Weil Rituale zerbrochen sind. Weil sich das eigene Leben plötzlich anfühlt, als wäre man aus der Zeit gefallen.

Für viele ist das erste Weihnachten nach einem Suizid nicht nur traurig – es ist ein Kampf ums Überleben.

Und genau deshalb braucht es einen Plan.


1. Die Lüge von „Es ist doch nur ein Tag“ entlarven

„Es ist doch nur ein Tag.“

Das sagen Menschen, die nicht verstehen. Die nicht wissen, dass es sich nicht nur um den 24. oder 25. Dezember dreht, sondern um Wochen voller Erinnerungen, voller Kontraste zwischen der Welt draußen und dem, was innen passiert.

Es ist kein „normaler Tag“. Und genau deshalb ist es okay, ihn bewusst anders zu gestalten.


2. Der Tag muss nicht wehtun – aber er wird es, wenn man nichts dagegen tut

Die größte Gefahr ist das Aushalten. Das Warten darauf, dass die Stunden vergehen. Die Leere, die sich ausbreitet, wenn man einfach daliegt und darauf hofft, dass es schnell vorbei ist.

Wer alleine ist, muss sich diesen Tag bauen. Sich überlegen, was ihn halbwegs erträglich machen kann.

  • Rausgehen. Auch wenn es schwerfällt. Bewegung hilft, den Körper nicht in Erstarrung versinken zu lassen.

  • Etwas tun, das NICHTS mit Weihnachten zu tun hat. Ein Museumsbesuch. Eine Wanderung. Ein Kinofilm, der nichts mit Glitzer und Familie zu tun hat.

  • Sich bewusst mit etwas Sinnvollem beschäftigen. Ein Buch lesen, das nicht deprimiert. Etwas kochen, auch wenn es nur für einen selbst ist. Schreiben. Malen. Musik machen.

Es geht nicht darum, sich abzulenken. Es geht darum, dem Tag eine Struktur zu geben.


3. Wenn Weihnachten unerträglich ist, kann man es ausfallen lassen

Man MUSS Weihnachten nicht feiern.Man muss keinen Baum haben, keine Kerzen, keine Geschenke.

Man kann sich entscheiden, dass es einfach ein Tag ist, an dem man sich bewusst gegen all das stellt.

  • Man kann in ein Land reisen, in dem Weihnachten keine große Rolle spielt.

  • Man kann sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit melden, um sich selbst nicht in den Mittelpunkt der eigenen Trauer zu stellen.

  • Man kann bewusst ein neues Ritual schaffen, das nichts mit der Vergangenheit zu tun hat.

Alles ist besser, als der Stillstand.


4. Verbindung suchen – auch wenn es schwerfällt

Alleinsein kann Schutz sein. Aber es kann auch eine Falle sein.

Gerade an solchen Tagen ist es wichtig, sich nicht völlig abzuschneiden.

  • Es gibt Online-Treffen für Trauernde.

  • Es gibt Telefonseelsorgen, die rund um die Uhr erreichbar sind.

  • Es gibt Foren und Selbsthilfegruppen, in denen sich Menschen austauschen, die genau das Gleiche fühlen.

Niemand sollte glauben, dass er der einzige ist, der Weihnachten kaum erträgt.


5. Den Verstorbenen nicht ausblenden – aber ihn auch nicht den Tag beherrschen lassen

Erinnerungen tun weh. Aber manchmal tut es noch mehr weh, so zu tun, als hätte es diesen Menschen nie gegeben.

  • Man kann eine Kerze anzünden, in Gedenken.

  • Man kann einen Brief schreiben, Worte, die gesagt werden wollen.

  • Man kann ein altes Ritual abwandeln, es anpassen, damit es sich nicht mehr so zerstört anfühlt.

Es geht nicht darum, weiterzumachen, als wäre nichts passiert. Es geht darum, das Vergangene so in das Jetzt zu bringen, dass es nicht nur Schmerz ist.


6. Hoffnung ist keine Lüge – sie ist ein verdammter Überlebensmechanismus

Das erste Weihnachten nach einem Suizid ist meistens das Schlimmste. Das zweite wird anders sein. Vielleicht nicht gut, vielleicht nicht leicht – aber anders.

Jeder Tag, den man überlebt, ist ein Schritt in eine Richtung, die irgendwann nicht mehr nur weh tut.

Vielleicht nicht morgen.Vielleicht nicht nächstes Jahr.

Aber irgendwann.

Und bis dahin zählt nur eines: Durchhalten. Sich nicht selbst verlieren. Sich erinnern, dass es möglich ist, dass es irgendwann anders wird.

Denn das wird es. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.



Wenn dich dieser Beitrag berührt hat oder du jemanden kennst, der mit einem Verlust zu kämpfen hat, dann teile ihn, kommentiere und schreibe mir deine Gedanken oder speichere ihn für später. Manchmal kann genau diese eine Nachricht den Unterschied machen – für dich oder für jemanden, der sie dringend braucht. Lass uns gemeinsam ein Zeichen setzen: Niemand muss diese Last allein tragen. 💙 #DuBistNichtAllein #hilfefürsuizid



 
 
 

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