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Rubrik: Prävention / Wiederkehrende Schuldgefühle nach einem Suizidversuch – Warum sich Überlebende oft schuldig fühlen und wie man ihnen helfen kann




Ein Suizidversuch ist ein tiefer Einschnitt – nicht nur für das Leben der betroffenen Person, sondern auch für ihr Selbstbild. Während Außenstehende oft erleichtert sind, dass die Person überlebt hat, beginnt für die Überlebenden selbst oft eine andere, unsichtbare Hölle: die Schuld.

„Ich habe alle enttäuscht.“„Ich hätte ihnen diesen Schmerz nicht antun dürfen.“„Was, wenn sie mich jetzt anders sehen?“

Diese Gedanken sind nicht selten. Tatsächlich empfinden viele Überlebende eines Suizidversuchs nach ihrer Rettung nicht nur Angst oder Erleichterung, sondern vor allem Schuld. Doch woher kommt dieses belastende Gefühl? Und wie kann man Betroffenen helfen, es zu verarbeiten?


1. Warum Überlebende von Suizidversuchen oft Schuld empfinden


1.1. Die „Belastung für andere“-Illusion

Menschen, die Suizidgedanken haben, kämpfen oft mit dem Gefühl, eine Last für ihr Umfeld zu sein. Nach einem Suizidversuch verstärkt sich dieses Gefühl häufig – insbesondere, wenn Familie und Freunde erschüttert reagieren.

🔹 Typische Gedanken:

  • „Ich habe meine Familie verletzt – das wollte ich nicht.“

  • „Ich habe allen Kummer bereitet – vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich nicht überlebt hätte.“

  • „Jetzt müssen sich noch mehr Menschen um mich kümmern.“

💡 Warum das nicht die Wahrheit ist:

  • Niemand, der dich liebt, wäre glücklicher, wenn du nicht mehr da wärst.

  • Die Erschütterung deines Umfelds zeigt nicht deine „Schuld“, sondern ihre Liebe zu dir.

  • Suizidalität ist keine Entscheidung – sondern ein Symptom von unerträglichem seelischen Schmerz.

1.2. Gesellschaftliche Stigmatisierung verstärkt das Schuldgefühl

Obwohl sich die Sichtweise auf psychische Gesundheit verbessert hat, werden Suizidversuche in vielen Gesellschaften noch immer als „egoistisch“ oder „falsch“ betrachtet.

🔹 Wie sich das zeigt:

  • Menschen sagen Dinge wie „Wie konntest du uns das antun?“ – oft aus Schock und Hilflosigkeit.

  • Überlebende haben Angst, als „schwach“ oder „instabil“ abgestempelt zu werden.

  • In manchen Kulturen oder Familien wird das Thema tabuisiert, was das Schuldgefühl verstärkt.

💡 Wichtig zu verstehen:Niemand entscheidet sich leichtfertig für einen Suizidversuch. Wer an diesen Punkt kommt, sieht oft keinen anderen Ausweg. Es ist keine „Wahl“, sondern das letzte Stadium eines tiefen seelischen Leidens.

1.3. „Ich hätte es allein schaffen müssen“ – Selbstverurteilung nach der Krise

Ein weiteres großes Schuldthema ist der eigene Umgang mit der Situation. Viele Überlebende denken im Nachhinein:

🔹 „Ich hätte stärker sein müssen.“🔹 „Ich hätte meine Gefühle besser kontrollieren sollen.“🔹 „Andere kämpfen auch – warum schaffe ich es nicht?“

💡 Warum das nicht stimmt:

  • Depressionen und Suizidalität sind keine Charakterfehler, sondern ernsthafte psychische Erkrankungen.

  • Niemand kann sich „einfach zusammenreißen“ – genauso wenig, wie jemand mit einem gebrochenen Bein einfach aufstehen kann.

  • Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche – sondern ein mutiger Schritt in Richtung Heilung.

2. Wie man Überlebenden helfen kann, mit Schuldgefühlen umzugehen

2.1. Zuhören – ohne zu bewerten

Viele Menschen fühlen sich nach einem Suizidversuch isoliert – nicht, weil andere sich abwenden, sondern weil sie selbst Angst haben, darüber zu sprechen.

Was helfen kann:

  • Offene Gespräche führen: Nicht mit Vorwürfen, sondern mit Verständnis.

  • Sätze vermeiden wie: „Du musst einfach dankbarer sein.“ oder „Denk nicht so negativ.“

  • Besser sagen: „Es tut mir leid, dass du so viel Schmerz ertragen musstest.“ oder „Ich bin froh, dass du noch da bist.“

💡 Warum das hilft: Schuldgefühle werden oft durch Schweigen verstärkt. Ein Gespräch kann entlasten.

2.2. Schuldgefühle entkräften durch Perspektivwechsel

Menschen mit Schuldgefühlen sehen oft nur, was sie „angerichtet“ haben – aber nicht, was sie durchgemacht haben.

Hilfreiche Fragen:

  • „Wenn eine geliebte Person an deiner Stelle wäre – würdest du sie verurteilen?“

  • „Würdest du einem Freund sagen, dass er egoistisch war, wenn er so litt?“

💡 Warum das hilft: Es zeigt, dass der innere Kritiker oft härter zu einem selbst ist als zu anderen.

2.3. Selbstmitgefühl fördern

Überlebende müssen lernen, mit sich selbst so liebevoll umzugehen wie mit anderen.

Was helfen kann:

  • Schreiben: Ein Brief an sich selbst – so, als würde man einem Freund schreiben.

  • Achtsamkeitsübungen: Sich bewusst sagen: „Ich bin nicht schuld, ich habe gelitten.“

  • Positive Selbstgespräche: „Ich verdiene Hilfe und Heilung.“

💡 Warum das hilft: Selbstmitgefühl ist der Schlüssel, um aus der Selbstverurteilung auszubrechen.

2.4. Professionelle Unterstützung ermutigen

Manchmal sind Schuldgefühle zu tief verankert, um sie allein zu lösen.

Wann Therapie oder Beratung sinnvoll ist:

  • Wenn die Schuldgefühle überwältigend sind und den Alltag bestimmen.

  • Wenn der Wunsch nach einem erneuten Suizidversuch besteht.

  • Wenn Selbsthass überwiegt.

💡 Warum das hilft: Ein Therapeut kann helfen, Schuldgefühle zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln.

3. Fazit: Schuld ist nicht die Wahrheit – sie ist eine Folge des Schmerzes

✅ Suizidalität ist kein Egoismus – sie ist das letzte Stadium tiefen Leidens. ✅ Schuldgefühle nach einem Suizidversuch sind weit verbreitet – aber sie spiegeln nicht die Wahrheit wider. ✅ Offene Gespräche, Perspektivwechsel und Selbstmitgefühl helfen, aus dem Kreislauf der Schuld herauszufinden. ✅ Niemand muss mit dieser Last allein sein – es gibt Wege zur Heilung.

💡 An alle, die überlebt haben: Dein Leben ist wertvoll. Dein Schmerz definiert dich nicht. Und du verdienst es, frei von Schuldgefühlen weiterzugehen. 



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