Depressionen bei Jugendlichen: Ursachen und Hilfe
- Mario Dieringer
- 27. Okt. 2024
- 4 Min. Lesezeit

Depressionen sind nicht nur ein Thema für Erwachsene – auch immer mehr Jugendliche sind betroffen. Tatsächlich zeigen Studien, dass depressive Verstimmungen und schwere Depressionen bei jungen Menschen in den letzten Jahren zugenommen haben. Auch der Suizid ist bei Kindern und Jugendlichen, nach wie vor die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Aber warum ist das so? Und wie können Eltern, Freunde oder auch die Jugendlichen selbst Hilfe finden?
Ursachen von Depressionen bei Jugendlichen
Psychische Belastungen durch Schule und soziale Medien
Der Druck, in der Schule zu bestehen, immer gute Noten zu liefern und gleichzeitig noch in der Freizeit "erfolgreich" zu sein, kann enorm belasten. Dazu kommen die sozialen Medien, in denen perfekte Bilder das Gefühl verstärken, selbst nicht gut genug zu sein. Vergleiche, Mobbing oder das Gefühl, nicht dazuzugehören, tragen zur Isolation und Unsicherheit bei. Selbstverständlich trägt auch die Tatsche dazu bei, das Jugendliche heute nicht mehr nur noch draußen an der frischen Luft sind, sich mit Freunden treffen oder zum Sport gehen. Of spielt sich das Leben im Zimmer ab, vor dem Rechner oder dem Handy.
Hormone und biologische Veränderungen Die Pubertät bringt starke hormonelle Schwankungen mit sich, die sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche auswirken. Jugendliche erleben oft emotionale Achterbahnfahrten, und es kann schwerfallen, diese Gefühle einzuordnen oder mit ihnen umzugehen. Wenn es früher noch Faktoren gab, die diese mentalen Schwankungen aufgefangen haben, wie die Zugehörigkeit im Verein und ein gesundes soziales Umfeld, können heute Einsamkeit, Mobbing und soziale Isolation die Herausforderungen der Pubertät zu einem regelrechten Höllentrip machen.
Familiäre Probleme und traumatische Erlebnisse
Familienkonflikte, Scheidung oder der Verlust eines geliebten Menschen können tiefe Wunden hinterlassen. Jugendliche sind in dieser Phase besonders empfindlich für emotionale Verletzungen. Auch Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt können schwerwiegende psychische Folgen haben. Diese Themen haben leider während der Covid-Pandemie eine große Rolle gespielt. Häusliche psychische und physische Gewalt, scheint nach wie vor ein sehr großes Problem darzustellen.
Genetische Veranlagung Depressionen können auch eine genetische Komponente haben. Wenn ein Elternteil oder andere nahe Verwandte an Depressionen leiden, steigt das Risiko, dass auch Jugendliche anfällig für depressive Episoden werden.
Druck von Gleichaltrigen und Identitätsfindung Die Suche nach der eigenen Identität ist ein zentraler Bestandteil der Jugend. Viele Jugendliche fragen sich: "Wer bin ich?" oder "Wo gehöre ich hin?". Der Druck, sich an bestimmte soziale Gruppen oder Normen anzupassen, kann zu Stress und einem Gefühl der inneren Leere führen. Nicht hilfreich sind dabei jugendliche Influencer, die in den sozialen Netzwerken eine Leben suggerieren, das mit der Realität nichts zu tun hat. Die Annahme, "versagt zu haben" wird durch die Darstellung solcher Lebensbilder noch verstärkt.
Wie erkenne ich eine Depression bei Jugendlichen?
Die Symptome von Depressionen bei Jugendlichen können sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden. Eltern, Lehrer oder Freunde sollten wachsam sein, wenn sie folgende Anzeichen bemerken:
Rückzug von Freunden und Familie
Verlust des Interesses an Hobbys oder Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben
Schlafstörungen (zu viel oder zu wenig Schlaf)
Ungewöhnlich aggressive oder reizbare Reaktionen
Anhaltende Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Schuldgefühle
Selbstverletzendes Verhalten oder Gedanken an Suizid
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jedes dieser Symptome zwangsläufig auf eine Depression hinweist. Aber wenn mehrere dieser Anzeichen über einen längeren Zeitraum auftreten, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Hilfe und Unterstützung für Jugendliche mit Depressionen
Depressionen sind behandelbar – und je früher die Hilfe erfolgt, desto besser sind die Aussichten auf eine Besserung. Hier sind einige Möglichkeiten, wie Jugendliche Unterstützung finden können:
Gespräch mit einer Vertrauensperson Der erste Schritt zur Heilung ist oft das Gespräch. Eltern, Lehrer oder enge Freunde können eine wichtige Stütze sein. Es kann unglaublich befreiend sein, die eigenen Gefühle zu teilen und zu wissen, dass man nicht alleine ist.
Psychotherapie Eine der effektivsten Methoden zur Behandlung von Depressionen ist die Psychotherapie. Besonders die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) hat sich als hilfreich erwiesen, um negative Denkmuster zu durchbrechen und gesündere Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Medikamentöse Behandlung In manchen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung notwendig sein, um das chemische Ungleichgewicht im Gehirn zu regulieren. Antidepressiva können helfen, die Symptome zu lindern, sollten jedoch immer in Kombination mit psychotherapeutischen Maßnahmen eingesetzt werden.
Selbsthilfegruppen Der Austausch mit anderen Jugendlichen, die ähnliche Erfahrungen machen, kann sehr wertvoll sein. Selbsthilfegruppen bieten Raum für offene Gespräche und helfen, das Gefühl von Isolation zu mindern. Auch das Gespräch von Eltern untereinander ist ein wichtiger Faktor. In meiner Tätigkeit mit TREES of MEMORY, habe ich schon oft zu hören bekommen, dass andere Eltern aus der Schule erst nach einem Suizid darüber gesprochen haben, dass auch ihr Kind in psychischer Behandlung ist. Ein offener Austausch innerhalb der Schule von Eltern zu Eltern und Eltern zu Lehrern ist daher sehr hilfreich, um präventiv tätig werden zu können.
Achtsamkeit und Stressbewältigungstechniken Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, den Geist zu beruhigen und die eigene emotionale Balance wiederzufinden. Auch das Führen eines Tagebuchs kann dabei unterstützen, Gedanken und Gefühle zu ordnen und einen klaren Kopf zu behalten. Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn an Schulen eingeführt würde, dass jeder Tag mit einer 15 minütigen Meditationsrunde beginnt und endet.
Bewegung und gesunde Ernährung Körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung haben einen direkten Einfluss auf die psychische Gesundheit. Regelmäßiger Sport setzt Endorphine frei – das sind Glückshormone, die das Wohlbefinden steigern können. Vielleicht sollten Eltern heutzutage mal wieder öfters sagen: "Geh doch mal an die frische Luft".
Was können Eltern tun?
Eltern spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, ihren Kindern in schweren Zeiten beizustehen. Es ist wichtig, aufmerksam zuzuhören, ohne zu verurteilen. Ein offenes Ohr und Verständnis können bereits einen großen Unterschied machen. Sollte der Verdacht auf eine ernsthafte Depression bestehen, ist es ratsam, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen.
Zudem sollten Eltern darauf achten, dass ihre Kinder einen gesunden Umgang mit sozialen Medien pflegen und genügend Pausen von der digitalen Welt einlegen. Strukturierte Tagesabläufe, gemeinsame Mahlzeiten und regelmäßige Gespräche über Gefühle und Sorgen können ebenfalls helfen.
Depressionen bei Jugendlichen sind ein ernstzunehmendes Problem, das jedoch nicht unlösbar ist. Durch frühzeitiges Erkennen der Symptome und das Angebot von Unterstützung und Hilfe können Jugendliche aus dem dunklen Tunnel der Depression herausfinden. Es liegt an uns allen – Eltern, Freunden, Lehrern und der Gesellschaft – aufmerksam zu sein und Jugendlichen den Raum zu geben, über ihre Gefühle zu sprechen und Hilfe zu suchen.
Wenn du selbst oder jemand, den du kennst, unter Depressionen leidet, zögere nicht, professionelle Unterstützung zu suchen. Es gibt immer einen Weg aus der Dunkelheit.




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