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Rede / Speech: Ein Amberbaum für Werner Dieckmann An Amber tree for Werner Dieckman


Heute pflanzen wir den Baum für Werner, der vor 6 Jahren von uns gegangen ist. Sechs Wochen – von der Diagnose bis zum Tod. Sechs Wochen psychisch und physischer Schmerz. Ein Schmerz, den man als Angehöriger nicht vergisst. Ein Schmerz, der durch die Hoffnung noch verstärkt wird. Ein Gefühl, das auf ein Wunder hofft. Ein Zustand, den man nicht aushalten mag und viele auch nicht aushalten können.

Jeder gemeinsame Tag in solch einer Situation, jede gemeinsame Stunde bedeutet Abschied nehmen und loslassen. Doch kann man von der großen Liebe einfach so Abschied nehmen. Kann man denjenigen loslassen, den man braucht, wie die Luft zum atmen, den man mehr liebt, als alles andere auf der Welt? Für beide Seiten wird plötzlich ein Prozess in Gang gesetzt, der radikal ist, der sich unmenschlich anfühlt, der unumkehrbar ist.

Sterben - Trauer - Neuanfang – ein immerwährender Zyklus ins unser aller Leben. Dazu gehören das Loslassen und die Neuorientierung, ohne die ein Neuanfang nicht möglich wäre. Wer diese Phasen mit oder ohne fremde Hilfe bewusst durchläuft, gewinnt ein Stück Weisheit, die uns stärkt, die uns reifen lässt, die uns Schritt für Schritt in eine neue und irgendwie lebenswerte Zukunft führt, in der die Liebe von damals immer ihren Platz bewahrt.

Doch bis es soweit ist, überkommt uns die Trauer, dass der geliebte Mensch nicht mehr sein wird. Die Sorge was aus den Hinterbliebenen wird, macht es beiden Seiten schwer, denn die Angst vor der Zukunft trübt den Blick für die Gegenwart. Und dann ist da noch die Wut, die im verzweifelten Schrei nach dem Warum gipfelt und keine Antwort erfährt.

Für beide Seiten gilt: Alles darf sein: Verzweiflung, Zorn und Gottes Anklage. Wenn diese Gefühle nicht unterdrückt werden müssen, dann tut das gut. Es ist die einzige wahrhafte Hilfe, die einzige Begleitung, die es in dieser Zeit braucht. Zulassen, Zuhören, Zuwenden ohne zu werten. Das ist schwer auszuhalten, für denjenigen der geht, für die Angehörigen, für die Freunde der Angehörigen.

Michaela, Du musstest es aushalten und Werner musste es auch aushalten. Dein Mann, der eigentlich stark wie ein Baum war und schützend seine Hände, wie das Kronendach eines Baumes über dich gehalten halt, musste gehen. Deshalb bekommt er jetzt auch seinen TREE of MEMORY. Ein Amberbaum, der speziell im Herbst alle Facetten und alle Nuancen des goldenen Herbstes in sich trägt. Es passt, denn Werner hatte im Oktober Geburtstag und fühlte sich da immer besonders wohl. Der goldene Oktober war sein Monat. Wenn in einigen Monaten sich die Blätter verfärben, trägt jedes Blatt seine eigene Geschichte in sich. Gleich einem bunten Lebensmosaik erscheinen die Geschichten seines und Eures gemeinsamen Lebens. Der Moment in dem ihr Euch kennengelernt habt, der erste gemeinsame Urlaub, das erste gemeinsame Auto oder als ihr beide festgestellt habt, dass es das schrecklichste Essen war, das ihr jemals zu euch genommen habt. Die Geburt Eurer Kinder, ein Streit, eine Umarmung und vieles mehr. Die bunten Blätter sind die bunten Geschichten Eures Lebens, die mal grell leuchtend herausragend oder sanft und pastellig von einer anderen Zeit und einem anderen Leben erzählen. Wenn die Blätter fallen, neigt sich das Leben dem Ende zu und ich glaube, dass wir die Geschichten der fallenden Blätter in den letzten Wochen und Tagen im Leben eines Menschen erzählen und teilen sollten. So ein Baum hat tausende von Blättern. So ein Menschenleben hat tausende Geschichten, die zeigen, wie erfüllt das Leben war – auch wenn es vielleicht kurz gewesen ist. Ich bin mir sicher, dass man in der gemeinsamen Erinnerung an die tollen, an die verrückten, die liebevollen und die unglaublichen Geschichten, vereint Abschied nehmen kann und jeder für sich auf eine neue Reise gehen kann.