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Wir sind nicht frei in dem was wir tun. Denn wir sind nicht frei in dem was wir wollen.

Aktualisiert: 27. Mai 2020


Kein Gedanke beschäftigt mich so sehr, wie dieser und das schon seit Köln. Tagtäglich geistert er durch meine Gehirnwindungen, knüpft Verbindungen, schafft neue Gedanken und zerstört, was Minuten vorher noch als logisch erschien. Am Ende stehe ich wieder da. Ein wenig konfus doch mit großer Sicherheit, dass es so sein muss.

Was bedeutet denn „Wir sind nicht frei in dem was wir tun“? Jeder einzelne von uns ist die Summe dessen, was die Eltern, die Erziehung, viele Erfahrungen, was die Schule, die Gesellschaft, Ereignisse, Traumata, Partner, die Liebe oder der Hass aus uns gemacht haben. Ich bin also auch nichts weiter, als die Summe dessen, was das Leben aus mir gemacht hat.

Wenn das so absolut wäre, dann dürfte ich heute gar nicht hier sein, zumindest nicht so wie ich bin. Das sagte zumindest ein erfahrener Psychologe mal zu mir. „Menschen wie Du, die mit extremer Gewalterfahrung in frühester Kindheit konfrontiert waren, drehen recht früh durch. Sie neigen ebenfalls zu extremer Gewalt, verfallen dem Alkohol oder anderen Drogen und bekommen das Leben nicht auf die Reihe. Am Ende landen sie in der Gosse oder im Gefängnis“. Nun sitze ich nicht im Gefängnis, das Betrunkensein fand ich schon immer ziemlich scheiße und andere Drogen waren für mich nur in geringen Mengen und über einen begrenzten Zeitraum zumutbar und brachten dann auch Spaß. Und geprügelt habe ich mich auch nie. Dass mir die Hand ausrutschte, passierte ganze drei Mal in meinem Leben. Das auch nur, weil man mich bis auf Blut reizte und jeder Einzelne nichts anderes verdient hat. Wenigstens war in allen Fällen dann auch Schluss mit der Mobberei und den geisteskranken Anfeindungen.

Was genau ist also anderes? Ich versuche es mal am Beispiel meiner Mutter zu erklären. Auch sie spielte in meinen Gedanken eine große Rolle. Immerhin war neulich Muttertag. Für mich ein Tag wie jeder andere, denn ich habe mit meiner Mutter keinen Kontakt mehr. Warum? Nun, es gibt Momente im Leben, in denen sind wir sehr wohl frei, indem was wir wollen. Und den Kontakt zu meiner Mutter möchte ich nicht mehr haben. Vielleicht es ist es ungerechtfertigt, denn meine Mutter ist natürlich auch nur das Produkt dessen, was meine rassistischen Nazi-Großeltern aus ihr gemacht haben. Viel weiß ich ja nicht aus ihrer Kindheit. Nur so viel, dass wenn sie sich weigerte den Christbaum anzusingen, es eine ordentliche Tracht Prügel mit dem Gartenaschlauch bekam. Mit 15 hat sie sich mit einem Italiener eingelassen, meinem Vater, und wurde prompt schwanger. Was dann geschah, kann man sich heute kaum noch vorstellen. Sie wurde in einer Nacht- und Nebelaktion nach München Wolfratshausen in ein Jesuiten-Kloster gebracht, das ein Heim für minderjährige Mütter unterhielt. Meine Oma war übrigens zeitgleich schwanger. Eigentlich hätten beide zusammen ihre Kinder großziehen können. Stattdessen wurde ich im Kloster geboren und vermutlich war das erste, das ich sah, einen Gekreuzigten, schreiend auf Bretter genagelt. Wen wundert es also, dass ich ein absolut gestörtes Verhältnis zur Kirche und Religion habe. Aber ich will nicht abschweifen. Dort wurde ich also geboren und verbrachte zwei Jahre in dieser religiösen Anstalt. Dann wurde meine Mutter zurückgeholt und zwangsverheiratet. Mit einem Alkoholiker, Bauarbeiter, der mich dafür hasste, dass ich das Produkt eine Liebesbeziehung war.

Ich war anders – in allem.

Das durfte nicht sein. Man kann sich nur schwer vorstellen, was es bedeutet, als Kind zuerst vom Stiefvater mit den Fäusten geprügelt zu werden und direkt danach von der Mutter, wahlweise mit dem Teppichklopfer, Kochlöffeln oder Ledergürteln auf den nackten Arsch. Ich habe so geschrien, dass es die ganze Straße hören musste. Haben sie auch, wie man mir 20 Jahre später sagte. „Aber was hätten wir de