Vergiss "Positives Denken"

08/11/2019

 

Du willst positives Denken lernen?

Optimistischer in die Zukunft blicken?

Dann vergiss positives Denken und tritt es in die Tonne. Du brauchst eine neue Sichtweise, vor allem wenn Dinge immer wieder schief gehen.

 

Der Psychologe Daniel Kahneman erläutert diesbezüglich das Konzept von "Erleben versus Gedächtnis".

 

Ich nehme mal meinen Urlaub in Israel als Beispiel. Erlebt habe ich ein tolles Land, interessante Menschen, uralte Kultur, Bibel haut nah, Religiosität, Moderne und biblisches Altertum. Eigentlich ein spannender und toller Urlaub.
Erlebt habe ich aber auch, wie am 25.12., 200 Meter vor uns ein Attentäter zwei Menschen tödlich mit dem Messer verletzt hat und von der Polizei erschossen wurde und wir an einer Blutlache und drei Leichenvorbei, unseren ersten Schritt in die Altstadt Jerusalems machten.

 

Das Erleben des Urlaubs sagt eigentlich: Toller Urlaub – so ein großartiges Land.
Das Gedächtnis ist aber gebrandmarkt von dem Attentat  und sagt: Das war ein Scheiß-Urlaub und dominiert dadurch das hauptsächlich positive Erleben.

 

Nun, wir wissen, dass es Dinge in unserem Leben gibt, die können wir beeinflussen oder nicht. Das Attentat konnte ich nicht beeinflussen. Sehr wohl aber meine Gedanken und meine späteren Handlungen. Tatsächlich sind nämlich die eigenen Gedanken und Handlungen die einzigen Sachen, die wir beeinflussen können.

 

Ich musste mich also entscheiden ob die Erinnerung an das Attentat, die tatsächliche Qualität des Urlaubs bestimmen darf. Dabei hilft mir das Aus-Sortieren:
Das Attentat kam von außen, nicht von mir,  es ist wie es ist, ich kann nichts daran ändern und es darf deshalb sein bzw. einfach so stehlen bleiben.  Alle anderen 13 Tage und 23 Stunden waren sehr schön.  Reihe ich nun alle tollen Erlebnisse wieder aneinander, dann wird wirklich wieder eine schöne Urlaubserinnerung daraus. So nach dem Motto: "War ja eigentlich doch ganz schön". Allein damit habe ich mir eine relativ große negative Last von der Seele geschaufelt.

 

Liegen die Wurzeln allen Übels jedoch in meinen Gedanken und meinen Handlungen und führen zu einem negativen Gedächtnis, dann kann ich mir sagen, beim nächsten Mal mache ich es besser.  Nehmen wir mal so einen Tag wo alles schief läuft. Ich habe den Wecker nicht gestellt, bekomme deshalb die Bahn nicht, vermassele dadurch den Job und am Ende des Tages kackt mir auch noch ein Vogel auf den neuen Anzug. 

 

Was lerne ich daraus?
1. Stell das nächste mal Deinen Wecker, dann klappt es auch mit dem Job. 

2. Die Bahn und den Job habe ich vor allem deshalb nicht bekommen, weil ich so dämlich war den Wecker nicht zu stellen. Dies gilt es einfach als Fakt ohne Wertung, hinzunehmen.
3. Der Vogel hätte mich vielleicht so oder so angekackt, das konnte ich nicht beeinflussen.

4. Positives Denken wird mir den Wecker das nächste Mal nicht stellen und positives Denken macht mir jeden Tag klar, dass ich nur deshalb den aktuellen miesen Job machen muss, weil ich zu dämlich war einen Wecker zu stellen. 

5. Wss mir von solch einem Tag in Erinnerung bleiben wird, im Sinne von Erleben versus Gedächtnis ist die Tatsache, dass ich den Job verloren habe und dann hat mir auch noch ein Vogel auf die Jacke geschissen. Da hilft kein "Du musst positiv denken. Beim nächsten Mal wird es besser". Nö, wenn ich den Wecker wieder nicht stelle, wird gar nichts.

 

 

Positives Denken macht selber gar nichts und bringt deshalb auch nichts.

Was muss ich also machen um eine Gesamtsituation zu beurteilen und ein positiveres Erleben zu bekommen?

Ich muss unterscheiden, ob es sich um das tatsächliche Erleben handelt oder um ein Gedächtnisfragment, das von Emotionen gesteuert wird und sich nicht an den Tatsachen orientiert und dadurch das Gesamterleben negativ dominiert.

Es gilt also nicht positiv zu denken, denn das ändert nichts, sondern "positives Handeln" ist das Zauberwort. Handeln nachdem ich alles zerpflückt und sortiert habe. Was kam von Außen und was kam von mir? 

 

Nehmen wir an, ich würde den Job nicht bekommen, weil ein Schneesturm die Bahn aufgehalten hat und ich deshalb nicht weg kam. Dann kam alles von außen und ich kann mir ganz entspannt sagen: Dann hat es wohl nicht sollen sein und dafür hat das Leben bestimmt einen Grund, den ich eines Tages auch erfahren werde. Ist zwar frustrierend, wenn man nicht weiß, was laut des Lebens gut für einen sein soll, aber allemal besser als positives Denken im Kopf zu haben, das mir die ganze Zeit sagt: "Läuft ja richtig Scheiße für Dich aber wird bestimmt bald wieder gut, beim nächsten mal dann." Und beim nächsten Mal produzieren meine Sorgen, dass wieder alles schief gehen könnte eine gedankliche Welt, in der natürlich wieder alles schief geht, was dann automatisch zur Realität wird. 

 

Ne, positives Denken bringt nichts. Positives Handeln dafür umso mehr. Oder hattest du schon mal eine richtige emotionale Scheißsituation, aus der Dir positives Denken tatsächlich heraus geholfen hat? Wenn ja, dann erzähl es mir bitte.

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