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Baumpflanzung im Museum für Sepulkralkultur in Kassel


Rede zur Baumpflanzung in Kassel im Museum für Sepulkralkultur Seit ich am 31.März 2018 mein früheres Leben endgültig hinter mir gelassen habe und mit TREES of MEMORY begonnen habe durch Deutschland, als erste Station um die Welt zu laufen, gab es sehr viele herausragende Momente.

Jeder Tag, den ich neu erlebt habe wurde zu einem außergewöhnlichen Ereignis, dem ich wie ein kleiner Junge auf dem Jahrmarkt, mit großen Augen begegne.

Heute, vier Jahre nach meinem ersten Schritt, raus in die Welt und 5 Jahre nach Auftauchen meiner Vision von TREES of MEMORY, hier im Museum für Sepulkralkultur zu stehen und im Rahmen der Sonderausstellung „ Suizid – Let´s talk about it“ zum festen Bestandteil des Museums zu werden, ist eine große Ehre.

Eine Ehre die uns alle, die mit diesem einzigartigen Projekt, dem Lauf um die Erde, dem Pflanzen der Erinnerungsbäume und dem damit verbundenen gemeinnützigen Verein zu tun haben, zu großem Dank verpflichtet. Den ich ausnahmsweise zu diesem besonderen Anlass auch mal in Worte kleiden werde.

Zunächst mal ein großes Danke an all die Initiatoren, Verantwortlichen, Organisatoren aus dem Museum und die Museumsleitung, die unsere Teilnahme befürwortet, ermöglicht und das alles so toll umgesetzt haben.

Dann einen besonderen Gruß und Dank an Frau Prof. Schneider aus Köln, die auch Kuratorin dieser Ausstellung ist.

Mit ihr habe ich 2018 ein cooles mehrteiliges Videoprojekt umsetzen dürfen, in dem ich über Suizidalität mit all seinen Querverbindungen in die unterschiedlichsten psychischen Bereiche erzählen durfte.

Diese Videos werden seit dem in der wissenschaftliche Lehre verwendet und jungen Menschen, angehenden Psychologen und Medizinern neue Perspektiven und veränderte Blickwinkel, rund um das Thema Suizid aufzeigt, das sonst kaum öffentlich diskutiert wird.

Damit kann TREES of MEMORY vielleicht auch auf den Seiten der Behandelnden und Pflegenden wichtige Akzente setzen, die für ein verständnisvolles und wertschätzendes Miteinander wichtig sind, um eine positive Behandlung zu ermöglichen.

Vielen Dank dafür und ich hoffe sehr, das sage ich jetzt mit einem Augenzwinkern, dass ich im Unterricht nur als „ver-rückt“, also im Leben auf einen neuen Platz verschoben, bezeichnet werde und nicht der besonders kuriose pathologischen Einzelfall bin, den man mal gesehen haben muss.


Mein größter und innigster Dank geht an Iris Pfister, die nicht nur dritter Vorstand im Verein ist, sondern auch irgendwie die Seele des Vereins ist.

Iris teilt einen wesentlichen Charakterzug mit mir: Sie packt an, sie setzt um, sie agiert aus der Intuition heraus und weiß, was Hinterbliebene brauchen und was ihnen gut tut.

Sie war der erste Mensch, der mich anschrieb und meinte: Dein Projekt ist so durchgeknallt, das muss man einfach unterstützen. Wie kann ich Dir helfen?“

Heute hilft sie so vielen Menschen und trägt weiter, was auch in meinem Herzen Form angenommen hat, ich aber aus verschiedenen Gründen nicht leisten kann, weil ich eben am laufen und Baum pflanzen bin.

Ohne Iris, würde ich heute ganz sicher nicht hier stehen.


Kurz danach kam der erste Vorsitzende Gunter Huhn mit ins Boot, der vermutlich noch immer glaubt, dass ich ganz sicher durchgeknallt bin, aber bei unserem ersten Date in der Tiefe seiner Seele gespürt hat, wie ernst es mir mit TREES of MEMORY ist.

Gunter hat niemandem im Leben durch einen Suizid verloren, umso berührter und stolzer bin ich, dass die Vision eines grünen Bandes der Hoffnung und Erinnerung um die Erde, ihn nicht losgelassen hat und dazu antrieb neue Schritte zu gehen, ein Zeichen zu setzen, Mut und Hoffnung zu machen und den Verein mit viel Engagement und noch mehr investierter Zeit durch die Untiefen der Juristerei führt. Auch Dir ein dickes Danke.


Und ein letztes Danke, gilt all den Menschen, die sich mit all Ihrer Energie dafür einsetzen, dass TREES of MEMORY zu einer verlässlichen und hilfsbereiten Institution im Bereich der Suizid-Nachsorge und der Suizidprävention wird.

Dazu gehört natürlich unser zweiter Vorstand Mario Kelter, der zusammen mit seiner Frau Sandra, als Paten der ersten Anlaufstelle im Saarland Hinterbliebene unterstützt.

Danke auch Sonja Hofrichter und Ildi Wittner, die zwischenzeitlich die Organisation der Baumpflanzungen übernehmen, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Und selbstverständlich ein großes Dankeschön an jeden einzelne Paten der ersten Anlaufstellen des Vereins TREES of MEMORY e.V., die helfen Brücken zurück ins Leben zu bauen, die aktiv in den ersten Wochen und Monaten helfen, wenn ein Suizid das Leben in eine Million Stücke gerissen hat und die meist selbst die Dramatik und Tragödie eines Suizides erleben mussten, der ihr Leben in ein normales davor und ein schreckliches danach geteilt hat.

Ich danke Euch allen von ganzen Herzen, als auch den vielen Mitgliedern des Vereins, die den Bestand und die Arbeit ermöglichen und gewährleisten.

Ohne Euch wäre meine Vision und der Lauf um die Welt nicht halb so viel wert. Ohne Euch lässt sich das große Netz, das eine Tages Menschen aus aller Welt auffangen soll, nicht spinnen.


Teil dieser ganz besonderen Hilfestellung, die einen emotionalen Neuanfang für Hinterbliebene nach einem Suizid ermöglichen kann, sind die Bäume der Erinnerung.

So auch dieser Mispelbaum, den ich heute als 37ten TREES of MEMORY hier in Kassel pflanzen darf.


Dieser Baum steht symbolisch für alle Suizid-Opfer, denen wir hiermit ein Stück Erinnerung geben möchten und denen wir auch Danke dafür sagen möchten, dass Sie in unserem Leben waren, es bereichert haben und die auf unterschiedlichste Art und Weise dazu beigetragen haben jeden von uns zu formen – zu Lebzeiten, als auch danach.

Alle 40 Sekunden tötet sich irgendwo auf diesem Planeten ein Mensch das Leben. Das sind über eine Million Menschen, die die Ungewissheit des Todes, dem Fortbestand der perspektivlosen Gegenwart vorziehen mussten.


Die Allermeisten von Ihnen wurden zum Opfer des letzten Symptomes diverser psychischer Erkrankungen, Ängsten, Panikattacken und schwerer depressiven Krisen.

Sie wurden nicht nur Opfer diverser Erkrankungen ohne Perspektive, sondern haben auch deshalb keine Zukunft mehr sehen können, weil es in den allermeisten Gesellschaften auf diesem Erdball, nach wie vor keinen Raum gibt, um über Suizid zu reden oder Hilfe zu bekommen, wenn die dunklen Gedanken aufkommen.

Gedanken, die anfangs noch erschrecken. Gedanken, mit denen man sich eines Tages arrangiert. Gedanken, die im dritten Stadium zum Freund werden. Gedanken, die letztendlich als möglichen Ausweg akzeptiert werden.

Doch wer Selbstötungsgedanken hat wird ausgegrenzt, verliert Reputation, Freunde, mitunter den Partner, die Familie und manchmal auch den Job.

Religionen ächten diejenigen, die sich das Leben genommen haben, weil Sie das Geschenk Gottes weggeworfen haben und im Duktus der Lehre eine Todsünde begehen.

Der Suizid ist eines der großen interkulturellen Tabuthemen.

Die Selbsttötung ist vielleicht das am meisten missverstandendste Drama unserer Gegenwart.

Der Suizident wird fälschlicherweise noch immer als Mörder bezeichnet – ein Selbstmörder.

Dabei ist doch der Mord eine heimtückische Tat aus niederen Beweggründen, wie zum Beispiel der Habgier, der Eifersucht oder dem Verschleiern einer vorausgegangenen Tat.

Was ist heimtückisch daran das eigene Ende herbei zu führen?

Sind Perspektivlosigkeit, ein immer währender Schmerz, die endlose Traurigkeit oder das finale „Mach jetzt Schluss“ eines kranken befehlenden Geistes, gegen den man sich nicht zur Wehr setzen kann, niedere Beweggründe und das Zeichen von Heimtücke?

Ein Suizid ist kein Mord. Auch dafür stehen die Bäume der Erinnerung, die aus den stigmatisierenden und kriminellen „Selbstmördern“ wieder einen Menschen, der geliebt wurde machen.

Ein TREE of MEMORY ist auch ein Zeichen der Würde, der Stärke und des Mitgefühls.

Ein Suizid ist eine Tragödie, der mitunter noch nicht mal ein Hilfeschrei voraus gegangen ist.

Er ist das Ergebnis von Unwissenheit, von falschen Ratschlägen, dem Gedanken „es wird schon nichts passieren“, der zu spät kommenden Behandlung und der Verkettung von vielen unglücklichen Umständen, die den Suizidenten am Ende nicht mehr zum Handelnden seiner selbst machen, sondern zu einem getriebenen Opfer.

Ich habe das am eigenen Leib erlebt. Ich habe einen Suizid hinter mir, den ich nur durch Widerbelebung überlebt habe und als ob das nicht gereicht hat, nahm sich zwei Jahre später mein Partner das Leben, dem man ab einem bestimmten Punkt, lange schon vor unserer gemeinsamen Zeit, nicht mehr helfen konnte – auch, weil er diese Hilfe verweigert hat.

War er noch der Handelnde? Nein, am Ende führten auch ihn, die sich gegenseitig bedingenden Umstände in den Tod.

Mit TREES of MEMORY habe ich mich aufgemacht, um auf den weltweit zunehmenden Suizid aufmerksam zu machen.

Ich will nicht zusehen, sondern Hinterbliebenen Hilfe zukommen lassen und suizidalen Menschen ein Mut machendes Beispiel sein. Ich will geben, was mir so oft verweigert wurde.

Ich war ganz unten, ich war Opfer, ich war tot, es gab keinerlei Zukunft mehr.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb stehe ich heute wieder hier. Nicht gänzlich befreit von meinen Depressionen, die kaum mehr spürbar sind aber ohne jeglichen Suizidgedanken, der Gott sei Dank wieder so absurd wurde, wie damals, als mich die Krankheit Depression noch nicht heimgesucht hatte.

Der Suizidgedanke ist keiner meiner Freunde, er ist kein Rettungsanker und für mich persönlich bedeutet er auch nicht den legitimen Ausweg aus einer Situation, weil nach jedem Regen auch wieder Sonne kommt, egal wie lange die Regenzeit dauert.

Die letzten vier Jahre haben mich sehr viel über das Leben und unser Sein gelehrt.

Der Tod lehrte mich die wichtigsten Lektionen über das Leben.

Das Sterben zeigt mir jeden Tag auf`s Neue, wie wir mit Menschen nicht umgehen dürfen, die den Partner, das Kind, die Ehefrau, ein Elternteil oder einen Freund durch Suizid verloren haben.

Es ist der Tod, der das Leben erst ermöglicht und uns allen dann und wann eine bunte Zukunft zeigt, wenn das Lebensgrau ins perspektivlose Nachtschwarz zu kippen droht.

Jeder Baum, der gepflanzt wurde leuchtet durch die Kraft der Erinnerungen als Kerze in der Dunkelheit, gleich einem Mutmacherbaum für all diejenigen, die Zweifel und Angst haben und deren Leben mehr einer Hölle gleicht, als einem Leben, das durch Mitgefühl und Respekt von außen gewertschätzt wird.